· 

Dolomiten-Höhenwege_Zu Fuss über die Alpen

Was ich schon immer machen wollte…
Nicht den Jakobsweg gehen.. nein - die Dolomiten-Höhenwege gehen, den Alta Via 1 und 2.

Ich wollte die Alpen überqueren. Zu Fuss.

 

12 Tage im Juli/August 2021 war ich unterwegs.

9.000 Höhenmeter rauf und auch wieder runter. 170 km Strecke.

Dieser 2. Teil der Alpenüberquerung besteht aus einer Durchquerung der gesamten Dolomiten von Vintl im Pustertal bis nach Belluno/ Italien. Der Weg führt durch die Peitlerkofelgruppe, die Puezgruppe, die Sellagruppe, um den Marmolada herum, hinunter zum Alleghe-See.
Von dort durch die Belluneser Dolomiten mit der Civetta-Moiazzagruppe und der Schiaragruppe, bevor es hinaus geht nach Belluno, einer sanften, mediterranen Stadt am südlichen Alpenrand.

Schon in den frühen 90er Jahren kaufte ich mir ein Buch über die Dolomiten-Höhenwege, es lagerte und schlummerte rund 30 Jahre in meinen Beständen. Schon damals faszinierte mich der Name, die Formation,
einfach die Idee:  ich geh’ irgendwann über die Alpen.
Ich war immer gern draussen, aber erst 2019 zum ersten Mal tagelang alpin mit dem grossartigen Bergführer Roman Müller im Bergell/ Engadin unterwegs.

 

Danach wußte ich: ja, ich schaffe das. Ich bereite mich vor. Joggen und Gymnastik, lange Wanderungen.

 

So trifft sich Ende Juli eine Gruppe von 12 überwiegend Unbekannten in Vintl im Pustertal, Südtirol, zu diesem Abenteuer. Jeder auf seine Art versierter Wanderer, der Jüngste ist 19, der Älteste 65. Am Ende sind wir 15 - eine wunderbare Gruppe von Menschen, die gemeinsam die Tage erwandert, zusammen lacht, flucht, isst und trinkt, die temporär zusammenwirkt und -wächst und irgendwie jeden Millimeter dieses Weges feiert. Es sind lange Touren, oft laufen wir gegen die Zeit, denn der Regen ist uns auf den Fersen, das nächste Gewitter. In den Bergen kann das auch im Sommer verheerend sein. Wir schaffen es nahezu immer.
Manche Tage sind voller Sonne, fast leicht, wir sitzen zwischendurch an glasklaren Bergseen, meditieren oder schlafen ein wenig, wir sind einfach immer im Hier und Jetzt. Nirgendwo sonst.

Jeder trägt alles auf dem Rücken, was ihn während dieser Tage begleitet. Es ist die Minimal-Ausstattung zum laufen-essen-schlafen. Es reicht völlig und das hilft sehr beim im-hier-und-jetzt-sein. Nichts lenkt ab.

Und wie fühlt es sich an? Die wunderbaren Düfte in den Bergen, der rauschende Wind, die Wolkenspiele in der Sonne, die ich am liebsten mitnehmen möchte.

Ausblicke von Bergen, Ausblicke auf Berge.

Sonne, Wolken, Wind. Stille. Regen. Regen. Nebel. Schnee.

Wasser rauscht allenthalben. Schroffe Wege voller Felsblöcke, Geröll und Gestein.

Wege durch Flussläufe, über Almen und durch satte Wälder, manchmal beschwingen dicke Tannennadel-Böden den Weg. Edelweiss und Alpenveilchen.

Alt-Schneefelder queren, kaum zu erahnende Pfade, die mit reichlich Wurzelwerk durchzogen sind, hinauf- und wieder hinabsteigen. Glitschig, nass, matschig.

Volle Konzentration allenthalben. Jeder Schritt will konzentriert gegangen sein. Jetzt. Hier. Stolperer haben Folgen.

Immer mal wieder habe ich auch Angst. Angst, nicht vor dem Gewitter über den nächsten Pass zu kommen, Angst, die Beine nicht mehr hochzukriegen, Angst vor der Drahtseil-versicherten Passage. Angst, nach dem Regen den langen Abstieg zur Hütte nicht zu schaffen, weil es runter viel schwieriger als rauf ist. Aber die Gruppe trägt, gemeinsam schaffen wir es alle.

Nachts liege ich manchmal frierend oder schwitzend. Irgendwer schnarcht immer ein wenig oder mehr, meine Beine sind auch nach 10 Tagen noch immer jeden Abend ruhelos bis endlich Stille auch in ihnen eintritt und damit tiefe Schlafphasen. Erholung ist Bedingung für den nächsten Tag.

Auf ungewohnte Weise ist es fast eine Art von Konzentration auch in der Nacht. Weil ich mich jeden Abend neu verorte: wo ist das Bett überhaupt, wo der Weg zur Toilette, wo ist meine Stirnlampe, wo sind die Oropax, wo das Handy, was steht oder liegt im Weg, die Wasserflasche, die Schuhe des Nachbarn, ein Rucksack, oder gar ein Holzbalken?

Meist geht es ziemlich früh am Morgen wieder raus, noch müde und mit schweren Beinen ins Kalte, und dann: wieder draussen sein und jeden Moment: mich spüren.

Meinen Körper. Meine Kraft, meine Energie.

Den Wind, die Sonne, den Regen, den Schweiß auf der Haut spüren.

Kälte. Wärme.

Momente voller unbeschreiblichem Glück.
Kraftvoll.

Das Herz schlägt höher in den Bergen.

Alles ist Meditation, weil innerlicher, stiller.

Leer werden in der Fülle.

Es ist Glück zum Anfassen.

Es macht den Kopf glasklar.

Laufen laufen laufen - ich zähle immer rauf bis 100, dann fange ich wieder von vorne an. Meditatives Zählen, „wie ein tibetisches Gebet ist das“, sagt Gerhard, unser Senior - in der stoischen Wiederholung während des Gehens liegt die Kraft. Heilend.

9000 Höhenmeter rauf und auch wieder runter, rund 170 km Strecke liegen nach 12 Tagen hinter mir. 12 Tage in einem Dauer-Energie-Flow.

Am vorletzten Abend gehe ich noch einmal vor dem Schlafen vor die Hütte, es ist dunkel, wirklich dunkel und die Sterne funkeln bilderbuchmäßig, und ja, tatsächlich sehe ich eine Sternschnuppe, um kurz vor dem Ende zu wissen:

Ja.
Es ist alles gut. Friedlich der Moment.

Dann der letzte wirkliche Wandertag: ein langer Abstieg durch üppige Wälder, fast nur noch ein Spaziergang. Und dann könnte ich schreien: Ja! Ich hab’ es geschafft! Ich hab’ mir meinen Traum erfüllt. Ich bin unfassbar glücklich und dankbar.

Das mediterrane Belluno scheint mir anschließend unwirklich leicht und schwerelos. La Dolce Vita. Wundervoll quirlig, warm, würdevoll lebendig - und doch, frage ich mich - ist das wahre Leben in diesem Moment nicht woanders?

Nach dem Heimkommen in den Alltag bin ich länger körperlich erschöpft als ich es erwartet hatte, so als ob alle Energie am Berg geblieben wäre.
Eine Grund-Erschöpfung, scheint mir, mehr als die Anstrengung der letzten 12 Tage fordert Tribut.

Loslassen. Sein lassen. Ausruhen. Müde sein dürfen.

Daran denken, dass die Berge immer da sind.

Ihre Stille und Kraft.

Zu jeder Minute, in der ich in der Grossstadt lebe, sind sie da.

Ewig.

Wie das Meer. Und sie warten auf mich.
Bis zum nächsten Mal.

Mit großem Dank an Carsten, Roman, Thea, Jakob, Gerhard, Christian, Irene, Katrin, Flori, Angela, Stefan, Christian, Christine, Gabriele.

Made Memoires in the Mountains 

Feel most alive 

 

#mountainlive #altavia1 #altavia2 #dolomites #makememoriesinthemountains #dolomitenhöhenweg1 #dolomitenhöhenweg2 #suedtirol #wanderlust #outdoor #natureculture #nature #trekkingadventure

#laufenessenschlafen

#hiking #stonework #landart

#frauenwandern

#womenonatrail #lebensweg #mindset #bettertogether

#stephaniejanckekulturkommunikation #mindset #socialmediamanagement #kommunikation #communication #artistscommunity #persönlichkeitsentwicklung

Kommentar schreiben

Kommentare: 0